Freitag, 25. April 2008

Offener Brief an die Hochschulleitung




Sehr geehrte Frau Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. phil. Sabine Kunst,
sehr geehrtes Präsidium der Universität Potsdam,

hiermit möchte ich Sie herzlich zur Hissung der Regenbogenflagge am Dienstag, 22. April, um 10.45 Uhr, am Neuen Palais vor Haus 11 einladen.

Trotz des Quasi-Verbotes, das der Hochschulgruppe QueerUP bezüglich des Hissens der Flagge ausgesprochen wurde, haben sich AStA als auch QueerUP dazu entschlossen, in einem Akt zivilen Ungehorsams dieses Verbot zu übertreten und anlässlich des Christopher Street Day (CSD) sowie der bundesweiten Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie an Hochschulen unsere Solidarität mit und unsere Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten zu demonstrieren.

Da es sich für die Universität Potsdam hierbei um einen geschichtsträchtigen Moment handelt – nie zuvor wurde die Regenbogenflagge hier gehisst – würden wir uns aufrichtig freuen, wenn Sie oder Mitglieder des Präsidiums daran teilnähmen.

In der Ablehnung des Antrags argumentieren Sie, „dass die Außenwahrnehmung der Hochschule in ihrer Gesamtheit vornehmlich auf hochschulpolitische Themen beschränkt sein sollte“. Dem können sowohl AStA als auch QueerUP aus folgenden Gründen nicht zustimmen:


1. Lebens-, Arbeits- und Studienbedingungen gehören auch zur Hochschulpolitik! Studierende können auf Dauer nicht ihre Sexualität verheimlichen, es sei denn sie verzichten auf soziale Kontakte. Ein Studium kann von der Mehrheit in dieser Art und Weise nicht erfolgreich absolviert werden. Weiterhin wird übersehen, dass nichtheterosexuelle Menschen auch in universitären Bereichen noch Diskriminierung erfahren, sie auf ihre Sexualität reduziert werden und ihre akademische Arbeit dadurch diskreditiert wird. Es handelt sich hier quasi um einen ähnlichen Sachverhalt bzw. eine vergleichbare Problematik wie Teilzeitstudium, Studieren mit Kind etc.

2. Mit ihrer Satzung versteht sich die offiziell eingetragene Hochschulgruppe QueerUP als aktive Teilnehmerin der Hochschulpolitik an der Universität und möchte dementsprechend einen Beitrag leisten. Dazu gehört auch, dass die Gruppe innerhalb dieses Prozesses von allen anderen Beteiligten wahr- als auch ernst genommen wird.

3. Dass die Stadt am selben Tag die Regenbogenflagge hisst, was aus Sicht der Uni-Leitung eben jene von der Verantwortung entbindet, sich pro queerer Community zu positionieren, wurde intern als Argument aufgeführt. Die Universität ist mit Sicherheit Teil der Stadt Potsdam, aber was Studierende (etwa 50% kommen täglich aus Berlin) davon wahrnehmen, nicht zuletzt aufgrund der dezentralen Lage der Uni-Standorte, bleibt ungewiss. Die Universität stellt aus Sicht des AStA ein eigenständiges soziales Gebilde dar, in dem es notwendig wäre, zusätzlich zum Bekenntnis seitens der Stadtverwaltung ein Zeichen zu setzen.

4. An der Universität sind queere Perspektiven bzw. Inhalte in der Lehre stark unterrepräsentiert. Angesichts der Lebensrealität vieler Studierender, insbesondere im Lehramt, wo man Menschen mit „abweichender“ Sexualität nicht ausweichen kann, stellt dies ein Problem dar, was zuletzt auf den Schultern der Betroffenen lastet. Hier ein deutliches Zeichen zu setzen und Solidarität zu bekunden würde vom AStA nicht nur begrüßt sondern als notwendig angesehen.


Aus diesen Gründen wird QueerUP zusammen mit dem AStA die Regenbogenflagge hissen und hoffen, mit diesem heiteren und farbenfrohen Akt ein Zeichen für Toleranz und respektvolles Miteinander an der Universität Potsdam zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen


AStA-Referentin für Geschlechterpolitik

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